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In den ersten drei Vierteljahren von 1862 wurden bereits zwölf tausend Eimer Lagerbier eingebraut und es ist dieses Etablissement einer noch weit größeren Ausdehnung fähig.

Die nächste Umgebung der Brauerei ist parkartig angelegt und wird zu Concerts, Stern- und Scheibenschießen benutzt, die von den in der Nähe liegenden Städten und Dörfern sehr zahlreich besucht werden.

Besitzer des Etablissements ist Herr Franz Adler auf Plohn.




Die Fabrik baumwollener Waaren von H. R. Marx in Seifhennersdorf.


Einer der für die sächsische Baumwollenindustrie wichtigsten Orte Sachsens ist das von der Mandau durchströmte und auf drei Seiten von Böhmen umschlossene große und volkreiche Dorf Seifhennersdorf, welches von den nächsten sächsischen Ortschaften Neu- und Alt-Gersdorf, Leutersdorf und Spitzkunnersdorf je eine Stunde entfernt ist, von der Stadt Zittau drei Stunden und von Löbau aber, auf dessen Bahnhof viele Waaren von hier per Achse gehen, vier Stunden; sein nächster Bahnhof ist der zwei Stunden entfernte zu Ober-Oderwitz. Südlich grenzt Seifhennersdorf an das größte industrielle Dorf Böhmens und überhaupt der österreichischen Monarchie, Warnsdorf, nordwestlich an das gleichfalls böhmische Oberhennersdorf, an welches sich die Grenzstadt Rumburg schließt.

Unter den industriellen Etablissements Seifhennersdorfs ist besonders hervorragend das des Herrn

Heinrich Robert Marx.

Dieses liegt in der Mitte des Dorfes an der nach Neugersdorf führenden Straße, auf einer, eine herrliche Aussicht nach dem nahen Gebirge, welches die Lausitz von Böhmen trennt, bietenden Anhöhe und wir finden hier außer einem Wohnhause und einem größeren Oekonomiegebäude noch folgende, ausschließlich der Industrie dienende Gebäude:

1) das Hauptgebäude, welches den Maschinenraum, die Zwirnerei, Räume für Treib- und Spulmaschinen, die Appreturanstalt mit zwei Calandern, Centrifugal- und Trockenmaschinen, sowie die Schlosser- und Tischlerwerkstätten enthält;
2) das Kesselhaus mit drei Kesseln;
3) ein Gebäude für die mechanische Weberei, auf einhundert und fünfzig Stühle eingerichtet;
4) ein Färbereigebäude mit Niederlagen für Farbewaaren;
5) das Comptoirgebäude, zugleich einen Theil des Waarenlagers und die Accomodations- und Verpackungsräume enthaltend;
6) ein Gebäude mit der Expedition für die Handweberei, zugleich für die Kettenscheererei eingerichtet;
7) ein Lagerhaus für Garne u. Waare, nebst dem Expeditionslokal für die mechanische Weberei, u.
8) ein Gebäude für die Handweberei.

Mit dem Etablissement ist eine circa 110 Acker umfassende Oekonomie verbunden, die gleichzeitig mit bewirthschaftet wird. In diesem Complex liegen noch zwei Teiche, welche die Fabrik mit dem nöthigen Wasser versorgen; dieses wird durch eine viertausend Ellen lange Röhrenleitung herbeigeführt.

Die hier vertretenen Branchen sind:

die Herstellung baumwollener und halbwollener Rock- und Hosenstoffe, sowie baumwollener Velvets, Velvetiens und Westenstoffe,


Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 360. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/366&oldid=- (Version vom 3.6.2018)