Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/10

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bewohnten Flecken dieses Planeten einen gewissen angebohrnen Sinn für diese Sprache der Götter zu haben. Was sie nun so reizend mache, daß zu allen Zeiten – scheint meinem Bedünken nach nichts anders als die Nachahmung der Natur, das heißt aller der Dinge, die wir um uns herum sehen, hören etcetera, die durch die fünf Thore unsrer Seele in dieselbe hineindringen, und nach Maßgabe des Raums stärkere oder schwächere Besatzung von Begriffen hineinlegen, die denn anfangen in dieser Stadt zu leben und zu weben, sich zu einander gesellen, unter gewisse Hauptbegriffe stellen, oder auch Zeitlebens ohne Anführer, Commando und Ordnung herumschwärmen, wie solches Bunian in seinem heiligen Kriege gar schön beschrieben hat. Wie besoffene Soldaten oft auf ihrem Posten einschlafen, zu unrechter Zeit wieder aufwachen etcetera, wie man denn Beyspiele davon in allen vier Welttheilen antrift. Doch bald geb ich selbst ein solches ab – ich finde mich wieder zurecht, ich machte die Anmerkung, das Wesen der Poesie sey Nachahmung und was dies für Reiz für uns habe – Wir sind, m. H. oder wollen wenigstens seyn, die erste Sprosse auf der Leiter der freyhandelnden selbstständigen Geschöpfe, und da wir eine Welt hie da um uns sehen, die der Beweiß

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/10&oldid=- (Version vom 31.7.2018)