Seite:Anmerkungen übers Theater.pdf/11

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eines unendlich freyhandelnden Wesens ist, so ist der erste Trieb, den wir in unserer Seele fühlen, die Begierde ’s ihm nachzuthun; da aber die Welt keine Brücken hat, und wir uns schon mit den Dingen, die da sind, begnügen müssen, fühlen wir wenigstens Zuwachs unsrer Existenz, Glückseligkeit, ihm nachzuäffen, seine Schöpfung ins Kleine zu schaffen. Obschon ich nun wegen dieses Grundtriebes nicht nöthig hätte mich auf eine Authorität zu berufen, so will ich doch nach der einmal eingeführten Weise mich auf die Worte eines grossen Kunstrichters mit einem Bart lehnen, eines Kunstrichters, der in meinen Anmerkungen noch manchmal ins Gewehr treten wird. Aristoteles im vierten Buch seiner Poetik: „Es scheint, daß überhaupt zwey natürliche Ursachen zur Poesie Gelegenheit gegeben. Denn es ist dem Menschen von Kindesbeinen an eigen, nachzuahmen. Und in diesem Stück liegt sein Unterscheidungszeichen von den Thieren. Der Mensch ist ein Thier, das vorzüglich geschickt ist, nachzuahmen. Ein Glück, daß er vorzüglich sagt, denn was würde sonst aus den Affen werden?

Ich habe eine grosse Hochachtung für den Aristoteles, obwohl nicht für seinen Bart, den ich allenfalls mit Peter Ramus, dem jedoch

Empfohlene Zitierweise:
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater. Weygandsche Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Anmerkungen_%C3%BCbers_Theater.pdf/11&oldid=- (Version vom 31.7.2018)