Seite:Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild.djvu/225

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Was sind’s für Klänge, die an’s Fenster flogen?
So altbekannt verlocken diese Lieder,

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Ein Sänger steht im schwanken Dämmerschein.


Wach auf! Dein Liebster ist fernher gezogen,
Und Frühling ist’s auf Thal und Bergen wieder,
Wach auf, wach auf, nun bist Du ewig mein!


 Das Flügelroß.

Ich hab’ nicht viel hienieden,
Ich hab’ nicht Geld noch Gut;
Was vielen nicht beschieden,
Ist mein: – der frische Muth.

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Was Andre mag ergötzen,

Das kümmert wenig mich,
Sie leben in den Schätzen,
In Freuden lebe ich.

Ich hab’ ein Roß mit Flügeln,

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Getreu in Lust und Noth,

Das wiehernd spannt die Flügel
Bei jedem Morgenroth.

Mein Liebchen! wie so öde
Wird’s oft in Stadt und Schloß,

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Frisch auf und sey nicht blöde,

Besteig’ mit mir mein Roß!

Empfohlene Zitierweise:
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Vereinsbuchhandlung, Berlin 1826, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_dem_Leben_eines_Taugenichts_und_das_Marmorbild.djvu/225&oldid=- (Version vom 31.7.2018)