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Und er sinkt zu ihr vor Schmerzen,
Einsam in dem fremden Thal,
Thränen aus dem wilden Herzen

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Brechen da zum erstenmal,

Und vor diesem Todesbilde
Wird die ganze Seele milde.

Von der langen Täuschung trennt er
Schauernd sich – der Stolz erweicht.

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Andre Heimath nun erkennt er.

Die kein Seegel hier erreicht.
Und an ächten Schmerzen ranken
Himmelwärts sich die Gedanken.

Schweigend scharrt er ein die Stille,

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Pflanzt ein Kreuz hoch auf ihr Grab,

Wirft von sich die seidne Hülle,
Leget Schwert und Mantel ab.
Kleidet sich in rauhe Felle,
Haut in Fels sich die Kapelle.

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Ueber’m Rauschen dunkler Wogen

In der wilden Einsamkeit,
Hausend auf dem Felsenbogen,
Ringt er fromm mit seinem Leid,
Hat, da manches Jahr entschwunden,

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Heimath, Braut und Ruh’ gefunden. –
Empfohlene Zitierweise:
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Vereinsbuchhandlung, Berlin 1826, Seite 262. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_dem_Leben_eines_Taugenichts_und_das_Marmorbild.djvu/266&oldid=- (Version vom 31.7.2018)