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die Gegend freier, und ich näherte mich dem Windautale bei Goldingen. Rechts lag an einer Stelle das nette weiße laubbeschattete Herrenhaus von Kimahlen. Auf den freien Anhöhen, über die der Weg führte, brannte die Sonne heiß. Das veranlaßte mich im Wagenhöfschen Kruge Einkehr zu halten. Bis Goldingen waren es noch 8 Werst. Es war Abend und die Luft kühler geworden. Ich traf ein Weiblein, das nach Krahzen unterwegs war. Wir gingen zusammen und unterhielten uns. Vertrauensvoll erzählte sie mir von ihren Sorgen, von ihrem Sohne, der in der Fremde als Soldat gestorben, wobei ihr die tiefe innere Bewegung anzumerken war. Wenn man mit dem einfachen Volke menschlich redet, als Mensch zum Menschen, so lernt man seine Gesinnung und sein Denken kennen, gewinnt tiefe Einblicke in die Volksseele … Das von der Abendsonne beschienene Goldingen grüßte mich freundlich von ferne. Ich ging durch die Stadt, über die Windaubrücke, mich nochmals am Anblicke der Rummel ergötzend, und dann durch die Alleen weiter. Die rote Sonne verschwand seitwärts von Goldingen und hinterließ die herrliche purpurne Abendröte. 8 Werst hinter Goldingen übernachtete ich in einem Kruge. Die Krugsleute waren Deutsche.

30. Juli. Um 3 Uhr morgens setzte ich meinen Heimweg fort. Der Himmel war bewölkt. Als ich mich hinter großen, sich durch Reichtum an Beeren auszeichnende Wälder Kabillen näherte, das, von Gesinden, Feldern und Wiesen umgeben, auf einer freien hügeligen Fläche lag, fing die Sonne an zu scheinen. Einige Werst hinter diesem Orte kehrte ich unweit der Wassermühle in dem Bunzen-Knechtsgesinde ein, wo man Pferde zum Fahren erhalten konnte. Als hier die Frauen mein Wolltuch sahen, meinten sie, man habe nicht gar lange zurück auch in Rönnen (15 Werst von hier entfernt) ähnliche „Willaines" getragen. Während ein Knecht sein Pferd anspannte, um mich 27 Werst weiter nach Samiten zu

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Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 117. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/125&oldid=- (Version vom 23.2.2019)