Seite:BaumannImGottesländchen.pdf/23

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

daß sich die Mönche eine der schönsten Stellen der Gegend zu ihrem Wohnsitz ausgesucht hatten. Von diesem Berge konnte man weit Ausschau auf die schöne, ländliche Umgegend von Talsen und das Städtchen selbst halten. Auf hügeligem Boden erstreckten sich Felder und Wiesen, schattige Haine und Wälder; dazwischen sah man Gehöfte, hin und wieder ein stattliches Gutsgebäude; unten im Tale schimmerte in seinen hellgrünen Ufern der stille See; in seinen Fluten spiegelten sich rechts die Häuser von Talsen, die sich diesseits zum laubbeschatteten Kirchberge, wo sich die wohl noch aus katholischer Zeit stammende Kirche erhob, und zum Schloßberge hinter der Kirche, wo jetzt die Mühle stand, hinanzogen, jenseits aber bis Neu-Talsen hinaufreichten, an das sich das rechtgläubige Viertel mit dem netten Gotteshäuschen schloß. Aus dem Klosterberge waren noch Spuren von Schanzen erkennbar, die aus den schwedischen Kriegszeiten herrühren mochten. Unter dem Berge befänden sich, wie erzählt wird, unterirdische Gänge. So soll man vor Zeiten oben auf eine Tür gestoßen sein, die in einen Gang geführt habe. Kinder hätten sie beim Spielen entdeckt. Bis sie aber heruntergekommen, um es den Erwachsenen zu sagen, sei jene Tür wieder verschwunden. Eine andere Mär, die ich übrigens auch bei Zabeln und Kandau gehört, lautete dahin, daß Enten, die auf dem Berge Nahrung gesucht, oben verschwunden seien, um bald darauf auf dem Wasser des Sees aufzutauchen. Daraus habe man geschlossen, daß der betreffende Gang unter dem See eine Öffnung haben müsse. Schön war der Ausblick vom Klosterberge; doch entzückend die Aussicht auf Talsen und Umgegend vom gegenüberliegenden, höheren Letzberge aus. Der Ausruf: „Hier ist es schön; hier laßt uns Hütten bauen!" entrang sich einem unwillkürlich dort oben beim Anschauen der von der Abendsonne freundlich beschienenen Landschaft.

Talsen liegt zu beiden Seiten und inmitten eines Tales,

Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/23&oldid=- (Version vom 9.3.2019)