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Zum Abautale.

Ein Wunsch, den ich lange gehegt hatte, ging am 20. Juni, einem Sonntage, in Erfüllung. Es war mir vergönnt, eine größere Reise in das liebe Gottesländchen anzutreten. Vorher war ich nur bis Mitau und Tuckum gekommen; jetzt sollte es noch weiter gehen, zur schönen Kurischen Schweiz bei Kandau, Zabeln und Talsen und nach anderen ferneren Gegenden des alten Kurenlandes. Obgleich der Himmel bewölkt war und auf Regen hinzudeuten schien, begab ich mich doch am Morgen frohen Schrittes durch die Straßen meiner Vaterstadt Riga zum Bahnhof, wo ich meine Reisegefährten bereits vorfand. Bald darauf brachte uns das Dampfroß an den Rigaschen Strand, den wir jenseits der Aa in Bilderlingshof erreichten. Fichtenwald zog sich längs dem Geleise hin. Auf den Stationen in Majorenhof und Dubbeln — eine Unmenge geputzter Herren und Damen, ein Gedränge und Gewimmel wie in einem Ameisenhaufen. Unser Blick wandte sich hier der in stolzer Ruhe vorüberfließenden Kurischen Aa zu, denn die Bahn führte, einen großen Kreis beschreibend, am Ufer hin. Grüne Fluren und dunkler Wald bildeten den Rahmen des ansprechenden Flußbildes. Langsam wie ein Schwan zog ein Segelboot, vom Winde getragen, stromaufwärts. Wieder ging es in Wald hinein, vorüber an der „Schnepfenstadt" Schlock (lettisch Ssluoka: die Schnepfe), die früher zu Kurland gehört hat, nach dem im Walde versteckt liegenden, durch seine Schwefelquellen berühmten Kemmern. Laub- und Nadelwälder

Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 1. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/9&oldid=- (Version vom 9.3.2019)