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Glorie. Für die, welche auf dem Schlachtfeld bleiben, bereitet den Himmel seine schönsten Wohnungen … Glücklich solche, die in dem Augenblicke abberufen werden, wo sie eine heilige Pflicht erfüllen. Dem sterbenden Märtyrer steht der sterbende Soldat an Verdienst am nächsten.“

„Ich soll mich also freuen, daß Arno –“

„Freuen: nein – das wäre zu viel verlangt. Aber Dein Schicksal mit demütiger Ergebung tragen. Es ist eine Prüfung, die Dir der Himmel schickt und aus der Du geläutert und im Glauben gestärkt hervorgehen wirst.“

„Also damit ich geprüft und geläutert werde, mußte Arno –“

„Nicht deshalb – doch wer kann, wer darf die verschlungenen Wege der Vorsehung ergründen wollen? Ich sicher nicht.“

Obwohl mir gegen Tante Mariens Tröstungen immer derlei Einwendungen entschlüpften, so gab ich mich im Grund der Seele doch gern der mystischen Auffassung hin, daß mein Verklärter jetzt im Himmel den Lohn seines Opfertodes genießt, und daß sein Andenken unter den Menschen mit der unvergänglichen Glorie der Heldenhaftigkeit geschmückt ist.

Wie erhebend – wenngleich schmerzlich – hatte die große Trauerceremonie auf mich gewirkt, welcher ich, am Tage vor unsrer Abreise, im Stefansdom beigewohnt. Es war ein De profundis für unsere auf fremder Erde gefallenen und dort begrabenen Krieger. In der Mitte der Kirche war ein hoher Katafalk aufgestellt,

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. Dresden/Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1899, Band 1, Seite 60. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_1).djvu/065&oldid=- (Version vom 31.7.2018)