Seite:Bertha von Suttner – Die Waffen nieder! (Band 1).djvu/123

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Kreuz! … Da ist meine Jungfer, die hat mir gekündigt, weil sie heiratet – jetzt, wo ich sie gewohnt war – es ist nichts unausstehlicher, als neue Gesichter zum bedienen … Was? Du willst schon fort?“

„Ja, liebes Herz – ich muß noch einige unaufschiebbare Besuche machen …“

Und ich ließ mich nicht bewegen auch „nur noch fünf Minuten!“ zu bleiben, obwohl die unaufschiebbaren Besuche erlogen waren. Sonst hatte ich es doch stundenlang ausgehalten, solch’ inhaltsloses Geplapper anzuhören und mitzuplappern – aber an diesem Tage widerte es mich an. Eine Sehnsucht ergriff mich: … Ach nur wieder so ein Gespräch wie gestern abends – ach Tilling – Friedrich Tilling … Die Wagenräder hatten also doch recht mit ihrem Refrain! … Es war eine Wandlung mit mir geschehen – ich war in eine andere Gefühlswelt hinaus gehoben; diese kleinlichen Interessen, in welche meine Freundin so ganz vertieft war: Toiletten, Bonnen, Heirats- und Erbschaftsgeschichten aus der Gesellschaft – das war doch gar zu nichtig, zu erbärmlich, zu erstickend … Hinaus, hinauf in eine andere Lebensluft! Und Tilling war ja frei: die Prinzessin „schwärmt für einen Burgschauspieler“ … Die hat er wohl nie geliebt … ein vorübergehendes – ein vorübergegangenes Abenteuer, weiter nichts.


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Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. Dresden/Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1899, Band 1, Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_1).djvu/123&oldid=- (Version vom 31.7.2018)