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darüber müssen wir nach zehn Jahren wieder reden. In den ersten Wochen sind fast alle Ehen glücklich. Damit will ich jedoch keinen Zweifel an meinem Neffen, noch an Dir ausgedrückt haben – ich glaube selber, daß Euer Glück ein dauerhaftes sein wird.“

Von Berlin aus begaben wir uns nach den deutschen Bädern. Meine kurze Reise nach Italien mit Arno – von der ich übrigens nur eine ganz traumhafte Erinnerung hatte – abgerechnet, war ich von Hause nie weggekommen. Dieses Kennenlernen neuer Orte, neuer Menschen und neuen Lebens versetzte mich in gehobenste Stimmung. Die Welt schien mir plötzlich so schön und noch einmal so interessant geworden. Wäre mein kleiner Rudolf nicht gewesen, den ich zurückgelassen hatte, ich würde Friedrich vorgeschlagen haben: „Laß uns Jahrelang so herumreisen, wie jetzt. Besuchen wir ganz Europa und hernach die übrigen Weltteile; genießen wir diese Wanderexistenz, dieses ungebundene Umherstreifen; sammeln wir die Reichtümer neuer Eindrücke und Erfahrungen! Überall, wohin wir kommen – und seien uns Land und Leute noch so fremd – bringen wir ja durch unser Beisammensein ein genügendes Stück Heimstätte mit.“ Was hätte mir Friedrich auf solchen Vorschlag geantwortet? Wahrscheinlich, daß man es sich nicht zum Beruf machen kann, bis an sein Lebensende „hochzeitzureisen,“ daß sein Urlaub nur zwei Monate dauert und dergleichen vernünftige Sachen mehr.

Wir besuchten Baden-Baden, Homburg und Wiesbaden.

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. Dresden/Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1899, Band 1, Seite 173. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_1).djvu/178&oldid=- (Version vom 31.7.2018)