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langten um 1 Uhr nachts in einem Wäldchen an, wo wir vor Erschöpfung und Fieber niedersanken. Um 3 Uhr marschierten wir – das heißt ein Teil von uns, ein anderer Teil von uns mußte zurückbleiben, da zu sterben – marschierten wir, noch triefend vor Nässe und Kälte, weiter. Die Dörfer alle leer – keine Menschen, keine Lebensmittel, nicht einmal Trinkwasser – die Luft verpestet. Tote auf den zerstampften Getreidefeldern, kohlschwarze Körper, die Augen aus den Höhlen – – –“

„Genug, genug!“ schrieen die Mädchen.

„Solche Sachen sollte die Censur gar nicht erlauben“, bemerkte mein Vater. „Es könnte einem die Freude an dem Soldatenstand verleiden –“

„Und besonders die Freude an dem Krieg, das wäre wirklich schade,“ schaltete ich halblaut ein.

„Überhaupt“, fuhr er fort, „die Fluchtepisoden sollten diejenigen, welche dabei waren, anständigerweise verschweigen, denn es ist wahrlich keine Ehre, ein allgemeines ‚sauve qui peut‘ mitgemacht zu haben. Der Wicht, der mit dem Rufe ‚Rettet euch‘ das erste Signal zum Reißaus gibt, sollte sofort niedergeschossen werden. Ein Feiger ruft es und tausend Tapfere werden dadurch demoralisiert und müssen mitlaufen.“

„Gerade so“, entgegnete Friedrich, „wie wenn ein Tapferer ‚Vorwärts!‘ ruft, tausend Feige voranstürmen müssen, – und dabei auch wirklich von momentaner Tapferkeit durchglüht werden. Es lassen sich die Menschen überhaupt nicht so scharf in mutige und

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. E. Pierson’s Verlag, Dresden/Leipzig 1899, Band 2, Seite 114. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_2).djvu/119&oldid=- (Version vom 31.7.2018)