Seite:Bertha von Suttner – Die Waffen nieder! (Band 2).djvu/173

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Tags darauf, statt die Reise nach Berlin fortzusetzen, machten wir eine neue Pilgerfahrt.

„Allerseelentag!“ sagte ich, als mein Blick auf das Datum eines mit dem Frühstück in unser Hotelzimmer gebrachten Zeitungsblattes fiel.

„Allerseelen“ – wiederholte Friedrich. „Wieviel arme Tote hier auf den nahen Schlachtfeldern, denen nicht einmal dieser Gräber-Ehrentag zu gute kommt – weil sie keine Gräber haben … Wer wird sie besuchen?“

Ich sah ihn eine Weile schweigend an. Dann halblaut:

„Willst Du?“

Er nickte. Wir hatten uns verstanden, und eine Stunde später waren wir auf dem Weg nach Chlum und Königgrätz.

* * *

Welch ein Anblick!

Eine Elegie Tiedges[WS 1] kam mir in den Sinn:

     „Welch ein Anblick! Hierher, Volksregierer!
Hier bei dem verwitternden Gebein
Schwöre, deinem Volk ein sanfter Führer,
Deiner Welt ein Friedensgott zu sein.

5
     Hier schau’ her, wenn dich nach Ruhme dürstet,

Zähle diese Schädel, Völkerhirt,
Vor dem Ernste, der dein Haupt, entfürstet,
In die Stille niederlegen wird.

Anmerkungen (Wikisource)

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. E. Pierson’s Verlag, Dresden/Leipzig 1899, Band 2, Seite 168. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_2).djvu/173&oldid=- (Version vom 31.7.2018)