Seite:Bibliopolisches Jahrbuch 1841.pdf/96

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in Orthographie und Interpunction[1]. Gleichwohl kann einem Autor nichts verdriesslicher sein, als wenn er ein und dasselbe Wort auf der einen Seite so und auf der folgenden anders gedruckt findet, welche Ungleichheit sorgsam zu vermeiden ist. Welche Ansichten und Maximen auch die Verfasser in dieser Beziehung haben mögen: das einmal angenommene System der Orthographie u. s. w. darf in einem und demselben Werke nicht geändert werden.

Es ist eine sehr gewöhnliche Meinung unter Buchdruckern, dass in Betreff der Interpunction kein fester Grundsatz aufgestellt werden könne. Es ist wahr, die Schriftsteller weichen in dieser Beziehung sehr von einander ab; aber das hat seinen Grund nicht sowohl in einem Mangel an System, als in der Gewöhnung an eine strictere oder laxere Methode zu interpunctiren, und man kann behaupten, dass nicht zwei Personen gefunden werden, welche in der Interpunction ganz übereinstimmen, ja eine und dieselbe Person wird zu verschiedenen Zeiten sich darin nicht ganz gleich bleiben. Manche Schriftsteller finden es zu gering, Aufmerksamkeit hierauf zu wenden, und verlassen sich in dieser Beziehung auf die Uebung und Erfahrung des Buchdruckers. In diesem Falle wird dann gewöhnlich die Interpunction ganz dem Corrector überlassen, und was für den Verfasser ein Gegenstand von geringer Bedeutung war, wird nun ein wichtiger Theil der Obliegenheit des Correctors; lasse man ihn daher mit möglichster Sorgfalt und Genauigkeit sich desselben entledigen!


  1. Die Scheidelinie zwischen Accuratesse und Pedanterie ist aber so zart, dass sie gar zu leicht verletzt wird; auch sind die verschiedenen subjectiven Ansichten sehr geneigt, beide zu verwechseln. Das Unbestimmte und Schwankende besonders in unserer deutschen Orthographie ist eine grosse Erschwerung des Correcturgeschäftes und führt, selbst bei der grössten Aufmerksamkeit, unwillkürlich zu Irrungen und Abweichungen; weniger ist dies der Fall mit der Interpunction, wo ein festes System leichter durchzuführen, auch dem Corrector gewöhnlich mehr Freiheit gelassen ist, als in der Orthographie.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Jacob Weber (Hrsg.): Bibliopolisches Jahrbuch für 1841. J. J. Weber, Leipzig 1841, Seite 79. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bibliopolisches_Jahrbuch_1841.pdf/96&oldid=- (Version vom 31.7.2018)