Seite:Corrodi-Fabeln und Bilder.djvu/54

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Sonne. Gerne schein’ ich auf dich nieder,
          Gerne komm’ ich immer wieder
          In dein Land, zu dir zurücke,

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          Und erheit’re deine Blicke.

          Freundlich, wie mein Sonnenschein,
          Möge stets dein Auge sein!


          30. Der Mond.

Knabe. Mond, wie sonderbar bist du,
          Nimmst bald ab und nimmst bald zu.
          Seh’ dich oft in vollem Glanz,
          Und dann wieder dunkel ganz.

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Mond. Kann nicht helfen, liebes Kind,

          Denn die große Sonne find’t
          Oft nicht Zeit, mich zu erhellen,
          Dann muß es an Glanz mir fehlen.

Knabe. Hast du denn kein eigen Licht?

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Mond. Nein, das hab’ ich wahrlich nicht;

          Bin ein armer, blinder Mann,
          Wenn die Sonn’ nicht scheinen kann.


          31. Der Spiegel.

Kind. Du bist ein böser Spiegel, du!
          Ich komme dir so nahe zu,
          Und häßlicher nur zeigst du mich.
          Wart’, Spiegel, ich zerbreche dich!

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm August Corrodi: Fünfzig Fabeln und Bilder aus der Jugendwelt. Zürich 1876, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Corrodi-Fabeln_und_Bilder.djvu/54&oldid=2885558 (Version vom 18.8.2016)