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zwischen diesem errötheten Kreise und dem Erröthen am Halse bestand eine deutliche Demarcationslinie, obschon beides gleichzeitig eintrat. Die Netzhaut, welche bei den Albinos naturgemäß roth ist, nahm unabänderlich zu derselben Zeit an Röthe zu.[1] Jedermann muß bemerkt haben, wie leicht nach einmaligem Erröthen frische Nachschübe von Erröthen, wenn der Ausdruck gestattet ist, einander über das Gesicht jagen. Dem Erröthen geht ein eigenthümliches Gefühl in der Haut voraus. Nach Dr. Burgess folgt dem Erröthen allgemein eine geringe Blässe, welche zeigt, daß sich die Haargefäße nach der Erweiterung zusammenziehen. In einigen seltenen Fällen wurde unter Umständen, welche ihrer Natur nach ein Erröthen hätten herbeiführen sollen, Blässe verursacht anstatt Röthe. So erzählte mir eine junge Dame, daß sie in einer großen und sehr noblen Gesellschaft mit ihrem Haar so fest am Kopfe eines vorübergehenden Dieners hängen geblieben war, daß es eine Zeit lang dauerte, ehe sie wieder losgemacht werden konnte. Ihren Empfindungen nach bildete sie sich ein, daß sie tief purpurn erröthet sei, und doch versicherte sie eine Freundin, daß sie äußerst blaß geworden wäre.

Ich war begierig zu erfahren, wie weit sich das Erröthen abwärts am Körper erstreckt. Sir James Paget, welcher nothwendigerweise häufige Gelegenheit zur Beobachtung in dieser Hinsicht hat, war so freundlich, während zweier oder dreier Jahre meinetwegen diesen Punkt zu beachten. Er findet, daß sich das Erröthen bei Frauen, welche am Gesicht, an den Ohren und im Nacken intensiv roth werden, gewöhnlich nicht weiter am Körper herunter erstreckt. Man sieht es selten so tief herabreichen, wie bis zu den Schlüsselbeinen und Schulterblättern; er selbst hat niemals einen einzigen Fall gesehen, wo es sich bis über den obern Theil der Brust nach unten erstreckte. Er hat auch bemerkt, daß das Erröthen zuweilen nach unten nicht allmählich und unmerkbar, sondern mit unregelmäßigen blaßrothen Flecken aufhört. Dr. Langstaff hat gleichfalls in meinem Interesse mehrere Frauen beobachtet, deren Körper nicht im Geringsten roth wurde, während ihr Gesicht vom Erröthen tief purpurn wurde. Bei Geisteskranken, von denen einige außerordentlich zu erröthen geneigt scheinen, hat Dr. Crichton Browne mehrere Male das Erröthen bis auf die Schlüsselbeine sich erstrecken sehen und in zwei


  1. Burgess, a. a. O. p. 38, über die Blässe nach dem Erröthen, p. 177.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 286. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/306&oldid=- (Version vom 31.7.2018)