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hat Kette und Münze rasch über den Kopf gestreift und starrt regungslos gen Osten – wie versteinert.

Der Geruch versengter Haut trifft meine Nase. Die Kette ist in den Flammen heiß geworden, aber der wunderliche Heilige dort spottet der Schmerzen, sein Gesicht zeigt einen weltentrückten, verzückten Ausdruck, und die dunklen Augen bekommen einen rührenden, innig flehenden, tiefen Glanz …

So, als erwarte der Fremde irgend ein Zeichen irgendwoher, daß ihm, dem Sünder, der die Kette unrein werden ließ, verziehen sei.

Seine Augen saugen sich fest an irgend einem Punkt des Horizonts, und die Starre seiner Gesichtsmuskeln verrät mir, daß dieses unheimliche Geschöpf in einen Zustand kataleptischen Schlafes verfallen ist.

Unwillkürlich recke ich mich höher und drehe den Kopf …

Blicke ebenfalls gen Osten, wo bereits das graue Dämmerlicht der nahenden Nacht über das Meer schleicht.

Und sehe etwas …

In endloser Ferne steigt ein weißer Stern wie eine Sternschnuppe, die den Luftkreis der Erde durcheilt und uns sichtbar wird, in flachem Bogen empor und sinkt wieder zurück in das Nichts.

In demselben Moment erwacht der Fremde, richtet sich auf, streicht mit der Hand über die schweißige Stirn und ergreift einen Fetzen seiner Jacke und reibt Kette und Münze mit zufriedenem Lächeln wieder blank.

Nur einen flüchtigen Blick schenkt er mir, hebt mein Jagdmesser auf, zerschlägt einige Bretter, setzt sich unweit von mir nieder und gräbt in

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Max Schraut: Das Bergwerk der Abgeschiedenen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1931, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Bergwerk_der_Abgeschiedenen.pdf/14&oldid=3176224 (Version vom 30.6.2018)