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Damals, als ich ihn auf der Jacht „Skansen“ kennenlernte, ahnte ich nichts von seiner unglaublichen Vielseitigkeit. Noch weniger davon, daß mein halb unfreiwilliger Verzicht auf Kultur und Kulturmenschen mir das zweite große Erlebnis meines Vagabundendaseins bescheren sollte.

Die Magelhaens benahm sich recht anständig, als wir den Freunden ein letztes Lebewohl zuwinkten. Ausnahmsweise anständig. Zumeist ist sie Szylla und Charybdis in hundertster Potenz. Unser hochbordiger Kahn, der wie ein Tranfaß stank und der vor Tagen noch einigen armen Teufeln von Feuerländern gehört hatte, die nun die Haifische fütterten, tanzte unter dem Druck dreier Ruderpaare über die triefgrünen Wogenkämme, glitt in die Wellentäler pfeilschnell hinab, was mich stets an eine Fahrt auf einer Berg- und Talbahn erinnerte, – wurde wieder emporgehoben, mit Tropfenregen besprüht und abermals in die Wasserschluchten hinabgeschickt – ein wundervolles Spiel, wenn drei Kerle wie Coy Cala, Chico und Chubur auf den Ruderbanken sitzen und selbst ohne Rollsitze all ihre prächtigen Muskeln arbeiten lassen.

Ich am Steuer, und als Schlagmann dicht vor mir Coy Cala mit seinem kühnen braunen Gesicht und den schwarzen übermütigen Augen. Schon da gefiel er mir. Hatte mir schon auf der „Skansen“ gefallen, gewiß. Sonst hätte ich mich den dreien nicht zugesellt. Aber nun, als ich beobachten konnte, wie Coy Cala die schweren langen Ruder wie Löffel handhabte, mit denen ein Kind im Wasser pantscht, da erst merkte ich, daß dieses Araukaners Kräfte etwas Göttliches an sich hatten. Kraft, vereint mit natürlicher Grazie und

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/6&oldid=- (Version vom 31.7.2018)