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nachdem wir kaum unsere Schiffskabine bezogen hatten, eingeschärft, daß ich fortan Maria Durgassow heiße. Ich solle den Namen ja nicht vergessen und mich für die Zukunft stets so nennen. Auch er selbst war unter diesem Namen in die Schiffsliste eingetragen, – als Michael Durgassow, Oberaufseher einer Plantage der indischen Provinz Haiderabad, wie er mir erzählte. – Unsere Reise, die uns ebenso auffallenderweise nicht nach Persien, sondern nach Europa führte, erlitt jedoch schon in Suez eine Unterbrechung. Trotzdem mein Vater die Überfahrt bis Hamburg bezahlt hatte, verließ er hier in Suez ganz unerwartet den Dampfer, weil er sich, wie er dem Kapitän gegenüber in meiner Gegenwart erwähnte, durch die Seekrankheit angegriffen fühlte. Ob dies der eigentliche Grund der Fahrtunterbrechung war, habe ich schon damals bezweifelt. Denn merkwürdigerweise blieben wir in Suez nur einen Tag und setzten die Reise dann mit einem andern Schiff, einem nach Marseille bestimmten Frachtdampfer, fort. Von Marseille aus begaben wir uns zunächst nach Amsterdam und dann weiter nach Genf, wo ich in einem großen, sehr vornehmen Pensionat untergebracht wurde, – wieder unter dem Namen Maria Durgassow. Bevor mein Vater mich der Pensionsinhaberin vorstellte, gab er mir ganz genaue Anweisungen, was ich auf etwaige Fragen nach meinen Eltern und unserem früheren Aufenthaltsort antworten solle. Diese Anweisungen mußte ich ihm mehrmals wiederholen, bis sie sich meinem Gedächtnis fest eingeprägt hatten. Danach hätten meine Eltern in Moskau gelebt, bis mein Vater Oberaufseher auf einer Plantage in der Nähe von Haiderabad geworden und nach dort verzogen wäre. Jedenfalls stimmt das, was Sie, mein Mann und alle unsere übrigen Bekannten hier von uns wissen, mit den Tatsachen nur wenig überein. – Doch ich will mich kürzer fassen. – In dem Genfer Pensionat blieb ich bis zu meinem sechzehnten Jahre. Niemand erfuhr etwas von unserem Geheimnis. Ich hütete es mit größter Vorsicht, eingedenk des Versprechens,

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Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/33&oldid=- (Version vom 31.7.2018)