Seite:Das Geheimnis eines Lebens.pdf/48

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

„Nein, weder ihm noch sonst jemanden gegenüber. Aber was soll dies alles, Vater?“

Wenzel atmete bei dieser Antwort sichtlich erleichtert auf und ging dann ins Wohnzimmer zurück, ohne Weras Frage weiter zu beachten.

„Sie werden neugierig sein, was ich ausgerichtet habe,“ begann er dann sofort von der Angelegenheit zu sprechen, die Dreßler augenblicklich am meisten interessieren mußte. „Wir können die Sache ruhig in Gegenwart meiner Tochter verhandeln, Herr Doktor. Wera ist verschwiegen wie das Grab. Ich pflege vor ihr keine Geheimnisse zu haben.“

„Sollen Sie auch gar nicht, lieber Wenzel,“ erklärte Dreßler zustimmend. „Also beginnen Sie!“

Der kleine Händler zögerte etwas. In seinem ganzen Gebaren zeigte sich auch jetzt noch eine gewisse Unruhe, etwas Fahriges, Unsicheres, das dem Doktor aber merkwürdigerweise entging. Nur Wera musterte ihren Vater immer wieder verstohlen mit prüfenden Blicken.

„Ja, leider sind meine Bemühungen ganz ergebnislos gewesen,“ begann Wenzel jetzt hastig. Er vermied es beim Sprechen jedoch, Dreßler anzusehen, starrte vielmehr andauernd vor sich hin auf das feine Gewebe der Tischdecke.

„Ich bin dem Mann in dem grauen Pelerinenmantel, wie Sie es gewünscht hatten, überall hin gefolgt. Zunächst suchte der Unbekannte, nachdem er Ihre Spur verloren hatte, ein Restaurant auf und ließ sich etwas zu essen geben. In dem Lokal – es war das Restaurant Deutsches Haus am Holzmarkt – blieb er bis gegen 8 Uhr. Ich benutzte die Zeit, um gleichfalls etwas zu mir zu nehmen. Dann brach der Fremde auf und bestieg einen Wagen der elektrischen Bahn und fuhr nach dem Vorort Neufahrwasser hinaus. Hier in den menschenleeren Straßen des Hafenplatzes gestaltete sich die weitere Verfolgung recht schwierig. Trotzdem blieb ich immer hinter ihm, ließ ihn nicht aus den Augen. Aber – auch dies half nichts. Denn mit einem Mal war der

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 47. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/48&oldid=- (Version vom 31.7.2018)