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zu zart besaitet. Daher ist es besser, wir sehen uns nicht wieder!“

Nach einer weiteren halben Stunde hätte niemand mehr in dem bartlosen älteren Manne mit der blauen Brille vor den Augen jenen Menschen im grauen Pelerinenmantel wiedererkannt, den Dreßler vor dem Wielandschen Hause beobachtet und durch den kleinen Händler hatte verfolgen lassen. Gerade als Albert Wenzel dann sein Zimmer verlassen wollte, um mit seiner Reisetasche in der Hand möglichst ungesehen die Treppe hinabzuschlüpfen, klopfte es. – Mit einem Satz war er an der Tür.

„Wer ist da?“ fragte er laut, indem er schnell den Riegel vorschob. „Ich ziehe mich gerade um. Was wünschen Sie?“

„Ich bin’s – Jakob,“ erklang hinter der Tür eine ihm wohlbekannte Stimme. „Öffne, es eilt sehr.“

Jakob Wenzel trat jetzt, mühsam nach Atem ringend, ein.

„Albert,“ begann er sofort hastig, „wir haben Glück gehabt. Denk’ Dir, eben bin ich zu Hause angelangt, als die alte polnische Haushälterin Dreßlers zu mir kommt und mich bittet, ich möchte ihrem Herrn doch einen Fünfhundertmarkschein wechseln. Er hätte kein Kleingeld im Hause, müßte auf unbestimmte Zeit verreisen und wollte ihr noch Wirtschaftsgeld dalassen.“

Der andere stampfte ärgerlich mit dem Fuße auf.

„Verd…! Der Doktor will ebenfalls nach Berent, nicht wahr? Denselben Gedanken hast Du auch sofort gehabt, stimmt’s?“

Der Trödler nickte eifrig.

„Genau denselben! – Und was nun? Er wird Deine Pläne durchkreuzen, – paß auf, es kommt so. Ich habe Ähnliches gleich gefürchtet, wollte dieser Besorgnis nur nicht Ausdruck geben.“

Albert Wenzel starrte finster vor sich hin in das rötliche Licht der Petroleumlampe.

„Noch ist Dreßler nicht in Berent, noch nicht,“

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/66&oldid=- (Version vom 31.7.2018)