Seite:Das Land Gigantea.pdf/19

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vorgehaltener Pistole die unbewaffneten oder halb betäubten sechs Leute zum Hochheben der Arme und zum bewegungslosen Stillstehen zwang.

Dann befahl er mit geradezu hohngesättigtem Lächeln dem Kajütjungen Ernst Pötter, den anderen die Hände auf dem Rücken zu binden, wodurch er jeden weiteren Widerstand unmöglich machte.

„Ich freue mich außerordentlich,“ sagte er mit ironischer Höflichkeit, „mich den hier Versammelten als der neue Herr und Gebieter von Gigantea vorstellen zu können. Wer ich bin, wissen sie ja wohl! Ganz besonders freue ich mich aber über das Wiedersehen mit meinen lieben Neffen –“ Der bisher so hohnvolle Ton wurde ganz plötzlich jedoch drohend und rachelüstern, als des Steuermanns Blick jetzt auf den Chemiker Seifert fiel. „Ah – da sind Sie ja auch, Sie scheinheiliger Halunke der Sie doch fraglos den blöden Burschen, den Heinrich, dazu verführt haben, mir mein Tagebuch für kurze Zeit zu entwenden. Nun – das soll Ihnen teuer zu stehen kommen! Mitwisser meiner Geheimnisse zu sein, ist eine gefährliche Sache, – das werdet Ihr Alle bald merken!“ In seinen Augen funkelte Triumph und jene kaltherzige Entschlossenheit, die August Wends Verbrechen einzig und allein bisher hatte gelingen lassen.

Jetzt war Ernst Pötter gerade bei dem jüngeren der Brüder Wend angelangt, schlang ihm den Riemen um die Handgelenke und mußte ihn dann auf einen drohenden Zuruf des Steuermanns hin noch schärfer anziehen. Er tat’s jedoch nur scheinbar, wie sich bald zeigen sollte.

Die bisherigen Insassen der Ansiedlung waren nun tatsächlich wehrlos, denn auch Ernst Pötter mußte es ruhig hinnehmen, daß er genau so wie die übrigen von August Wend selbst gefesselt wurde. Dieser, die schußfertige Waffe stets in der halb erhobenen Hand, schien jetzt zu überlegen, was er mit seinen Gefangenen zunächst beginnen solle. Am liebsten hätte er sie sofort beseitigt, das heißt einen nach dem andern niedergeschossen. Aber ein solcher Massenmord war

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W. Belka: Das Land Gigantea. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1919, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Land_Gigantea.pdf/19&oldid=- (Version vom 31.7.2018)