Seite:Das Relativitätsprinzip (Minkowski).djvu/10

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Betracht gelassen werden kann. Nun versucht Planck in der jüngst (13. Juni dieses Jahres) der Berliner Akademie vorgelegten Arbeit eine Dynamik auszubauen unter Zugrundelegung des Relativitätsprinzipes. Das nächste Ziel würde sein, plausible mathematische Ansätze zu machen und so weit durchzuarbeiten, daß sich Versuchsanordnungen ergeben könnten, die zugunsten der neuen oder aber der verlassenen Theorien auszulegen wären. Planck erledigt sozusagen die Dynamik eines einzelnen Punktes, wobei aber noch die Temperatur mit in Betracht gezogen wird. Denn wenn man nicht gerade an kosmische Vorgänge denkt, so würden natürlich thermodynamische Einflüsse am ehesten entscheidende Erscheinungen möglich machen. Planck denkt sich einen Körper, der nur Translationen als Ganzes soll ausführen können, dessen Bewegung also durch drei Geschwindigkeitskomponenten bestimmt sein soll, dessen Zustand aber noch außerdem von Volumen V und Temperatur T abhängen soll; und er fragt nach den dynamischen Gesetzen für ein solches System. Dieser Körper ist zugleich in einem gewissen Koordinatensystem ein ruhender Körper; es fragt sich, welche Temperatur er in dem betreffenden System hat. Wie das Volumen sich ändert, ist durch die Substitution gegeben. Planck macht zunächst plausibel, daß die Entropie für beide Systeme dieselbe sein soll; daraus folgt zunächst, wenn es sich um einen von Wärmestrahlung erfüllten Hohlraum handelt, aus den für diesen Fall bekannten Gesetzen noch Gleichheit des Druckes, und daß T in für das neue Bezugssystem sich verwandelt. Diese Beziehung nimmt dann Planck wegen der Bedeutung von Druck und Temperatur als Gleichgewichtsparameter als allgemein gültig an. Nun fehlen noch immer die Gesetze, denen das System unterworfen ist bei gegebenen äußeren Kräften, Drucken und Temperatureinflüssen, und da nimmt Planck an, das von Helmholtz auf thermodynamische Verhältnisse ausgedehnte Prinzip der kleinsten Wirkung soll seinem wesentlichen Charakter nach gültig bleiben. Die Bewegung soll zwischen zwei Zuständen bei konstanter Energie sich nach dem Minimum eines Integrals

richten, wobei H, das sogenannte kinetische Potential, von

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Minkowski: Das Relativitätsprinzip. Leipzig: Johann Ambrosius Barth, 1915, Seite 936. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Relativit%C3%A4tsprinzip_(Minkowski).djvu/10&oldid=- (Version vom 31.7.2018)