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Ich entsinne mich, daß, als mein Bruder und ich eintraten, die meisten Gäste schon versammelt waren. Der Hausherr erklärte gerade einem neu eingetroffenen Kollegen die verwickelte Frage der Audienzen fremder Gesandten beim Kaiser von China. Er wurde ganz wehmütig über die immer neuen Zugeständnisse, die die Gesandten in der Art ihres Empfanges erlangt hätten, und man merkte ihm an, daß er innerlich ganz auf seiten der Chinesen stand, denn es gewährte ihm eine unendliche Genugtuung, an einem Hofe akkreditiert zu sein, was man bei Republikanern ja mitunter findet, und er nahm es persönlich übel, wenn man diesen seinen Spezialhof nicht so recht als voll gelten lassen wollte. Als ich ihn einmal unmittelbar nach solch einer Audienz traf, sagte er mir würdevoll: »I have just been in the presence of Royalty.«

Ein Stab junger Dolmetscher umgab den alten Gesandten. Mit ihrer Hilfe richteten die Fremden einige Sätze an einen Minister des Tsungli Yamen, eine lebende Mumie, die sich unter den Geladenen befand und kein Wort einer europäischen Sprache kannte. Auch zwei jüngere Chinesen waren zugegen; sie trugen über langen, seidenen Gewändern, weitärmelige Jacken aus zart gefärbtem Damast und auf dem Kopf schwarze Atlas-Käppchen, mit einer großen Perle über der Mitte der Stirn. Offenbar

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 212. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/213&oldid=3239059 (Version vom 31.7.2018)