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Bald, bald muß es ja sein. Zuerst werde ich gar nicht auf die Worte achten können und nur immer den lieben Klang trinken. Wie lang ist es doch schon her! Wissen Sie es noch? Haben Sie sich auch so unsagbar, so unaussprechlich gesehnt? So wie ich gesehnt?

Aber in wenigen Tagen muß ja die furchtbare Angst und Trennungszeit vorüber sein. Bald, bald müssen die Befreier vor Peking stehen.

Nicht wahr, liebster Freund, dann kommen Sie auch gleich, gleich! auf dem schnellsten Schiff, auf dem kürzesten Weg – ich kann es ja nicht länger ertragen.

Was liegt Ihnen noch an alten chinesischen Handschriften? Mögen die doch alle untergehen! Ich gebe Ihnen dafür mein ganzes Herz, darin zu lesen, und was in ihm steht, ist auch schon alt, ist nicht schwer zu enträtseln und dünkt mich eine so jugendschöne Entdeckung.

Was kümmert Sie noch China? Mag doch der Norden mit Wutki und der Süden mit Ale verzehrt werden, mögen sich die jüngeren Hungernden auch noch jeder seinen kleinen Imbiß zusammenstehlen, aus den Krümeln, die von den Mahlzeiten der älteren, erfahrenen Weltenräuber abfallen – oder mag es zu gar keinem Muspili kommen, sondern alles hübsch im Sande verlaufen, wie man es hier

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 249. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/250&oldid=2801143 (Version vom 11.5.2016)