Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/19

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Entzweiung. Sie hatte ihn ja nicht zu Hause getroffen, als sie in dem gewagten Costüm zu ihm ging, und sie hatte sich übrigens nur verkleidet, um nicht als Mädchen erkannt zu werden. Sie hatte gewissermaßen nur ihren eigenen Laufburschen vorstellen wollen, wie jener Geizhals Nachts sein Haus umstrich und bellte, als ob er sein eigener Hund wäre. Die häßliche, die zweideutige Beleuchtung hatte eben er, Iversen, auf die harmlose Dummheit fallen lassen – ja wir Männer sind eben unsaubere Thiere und können uns in ein unschuldiges Irren gar nicht mehr hineindenken. Nun, und als Anneli seine empörenden Insinuationen gehört, wie sollte sie da nicht wild geworden sein? Und es ist nicht wahr, daß bei einem Streit sich immer der inwendige, sonst verborgene Mensch herauskehrt! Ganz im Gegentheil; man sagt Dinge, an die man nie gedacht hat, von denen man später selbst nicht begreift, wie sie einem auf die Zunge kommen. Der Jähzorn, der Rachsinn greift blind nach der ersten schlechtesten Waffe; die Wunde, die sie verursacht, ist gewollt, und doch nicht immer so gewollt; Nothwehr entschuldigt selbst den Todtschläger.

Über so hin- und hergaukelnden Gedanken, die sein Spiel nicht störten, sondern sich vielmehr mit den Tönen in ein beziehungsreiches Frage- und Antwortspiel eingelassen zu haben schienen, beachtete er nicht, daß unter ihm geklopft ward, erst dumpfer, dann lauter,

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/19&oldid=- (Version vom 31.7.2018)