Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/30

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Es macht mich wüthend, nur so etwas zu hören. Ihr habt sie mir ganz verleidet! Wenn ich die Alte jetzt anschaue, immer werd’ ich an den epileptischen Bräutigam denken müssen. Da muß man’s doch wirklich glauben, daß die Weiber nur so zu Anhängseln bestimmt sind. Bis wir die Rasse verbessern –“

Als er am Abend der Wirthin auf der Treppe begegnete, sprang er mit einem kurzen, undeutlich gemurmelten Gruß an ihr vorüber. Er bemerkte nicht, daß die Frau ihm mit verwundert-besorgten Blicken folgte.

Am nächsten Tage hatte er die ganze Sache schon wieder vergessen, oder wenigstens aus dem Gedächtniß geschoben. Es gab eine wichtige Versammlung, ein bekannter und berühmter „Genosse“ sollte sprechen, und Iversen rüstete sich beizeiten auf eine Erwiderung. Alle diese alten und älteren Herren waren schließlich retardirende Elemente, und er hielt es für seine Pflicht, sie im Namen der Tugend zu bekämpfen. Eine Oppositionspartei, die aufhört, Opposition zu machen, hört eben auf zu sein. Heiter und gespannt, „im vollen Turgor“, wie er sich schon lange nicht gefühlt, verließ er das Haus, um ins Versammlungslokal zu gehen. In solchem Geisteszustand sollte man immer sein! Man weiß doch dann, daß man lebt. Er war heute nothwendig, denn kein anderer würde sagen, was er zu sagen hätte.

Empfohlene Zitierweise:
Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/30&oldid=- (Version vom 31.7.2018)