Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/31

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Leider lief es nicht so ab, wie er gewünscht. Der berühmte Redner hatte den allgemeinen Beifall, obgleich er nur Bekanntes sagte. Seine Rede dauerte einige Stunden. Die Diskussion begann auf einer anderen Stelle, als der von Iversen vorausgesetzten. Als er zu Wort kam, war die Zeit derartig vorgeschritten, daß er mit Schlußrufen unterbrochen ward, eh’ er recht angefangen. An der Glasthür standen ein paar Hausknechte mir aufgekrempten Ärmeln; sie beförderten an die Luft, wer nicht freiwillig ging; dies Publikum, das mehr Sodawasser als Bier trank, imponirte ihnen nicht im mindesten. Iversen sprach noch, während diese Räumung des Saales erfolgte. Er sprach gut, und er wünschte, seine Mutter möchte ihn hören! Sie würde ihm natürlich nicht zugestimmt, aber sie würde Respekt vor ihm bekommen haben. Er sah mehr Rücken vor sich als Gesichter; einerlei, sie konnten auch so hören. Plötzlich bemerkte er gar nicht fern von der Tribüne ein paar aufmerksam auf ihn gerichtete Augen. Im selben Blick erkannte er den zurückgelegten Kopf, die schwarze Gestalt seiner Wirthin. Sie hörte voll Antheil, kümmerte sich nicht um den Aufbruch um sie herum. Ihr feines helles Gesichtchen im Rahmen der lose geknüpften schwarzen Hutbänder war durchleuchtet von Leben und Interesse. Iversen amüsirte sich, auch über sich selbst, daß er sich unwillkürlich geschmeichelt fühlte. Was nun wohl das Altchen davon versteht!

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/31&oldid=- (Version vom 31.7.2018)