Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/36

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noch, verstand sie noch, er hatte doch tiefere Spuren hinterlassen, das ließ sie merken.

Auch daß sie irgend etwas drücke, quäle. Ihre Treulosigkeit wahrscheinlich! Nun, das ist keine Todsünde, er wollte nicht den Ungerechten spielen, der nur immer die Männer weiß wusch. Sie machte ihm ein Zeichen. Im Foyer? Ja im Foyer! Hastig schob er sein Glas ein; wenn sie vielleicht abbitten wollte – Er ging in einiger Aufregung durch den kleinen eleganten Saal, öffnete ein Fenster und ließ den weichen duftenden Nachthauch über sein Gesicht spielen. Dann, ganz zwanglos, trat er auf die Großmutter zu, die sich bereits in einem Ecksopha niedergelassen. Anneli stand seitwärts, der Graubart brachte mit Mühe ein Glas Limonade herbei, er schwitzte weidlich bei seinem Ritterdienst.

Großmutter war nicht sehr gnädig: „So, so, der Herr Iversen. Sie haben sich lange nicht bei uns sehen lassen?“

Der junge Mann verzog das Gesicht, als habe er auf eine saure Zitrone gebissen. Er hatte diese harte Kehlstimme mit ihrem gezierten unnatürlichen Hochdeutsch immer nur schwer ertragen, und es war wirklich lange her, daß er sie nicht mehr gehört hatte.

Während er eine Entschuldigung murmelte, strich Anneli wie ein schnurrendes Kätzchen an seinem Rockärmel vorbei, sagte in seinem Rücken: „Es ist jetzt

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/36&oldid=- (Version vom 31.7.2018)