Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/183

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der Welt“, – das steht auch auf dem Zettel am Käfig. Aber ich finde, trotzdem hätte man Mammosett nicht in einen Kanarienvogelkäfig sperren dürfen. Denn auch seine Winzigkeit verlangt Bewegung und Freiheit. In den ersten Tagen sprang das Tierchen wie irrsinnig in seinem Käfig herum, ähnlich den weißen Tanzmäusen in den Nebenkäfigen, die Tag und Nacht um eine Spule rennen. Die kamen mir immer vor wie kleine tanzende Derwische, die heftig rund herum rennen, damit sie eines Tages tot umfallen und so aus der Gefangenschaft des Lebens befreit sind.

Ich erkundigte mich in der Tierhandlung, was Mammosett kostet. Aber ich hörte am selben Tag von einer Dame, daß diese Äffchen, wenn sie zahm werden, alles zerreißen, was ihnen unter die Finger kommt. Seit ich das weiß, möchte ich auch hier beim Mammosettäffchen Einbrecher werden und Mammosett befreien. Und ich hab mir schon eine Geschichte ausgedacht, wie dieses Mammosettäffchen, frei gelassen, alle seine Mitgefangenen, die Papageien, die Mäuse und die Laubfrösche, und zuletzt den Tierhändler selbst in kleine Stückchen zerreißen würde. Vom Tierhändler müßte das Äffchen jeden Tag nur ein

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Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/183&oldid=3248422 (Version vom 31.7.2018)