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täglich in seiner Hütte aufgesucht und ihn niemals daheim getroffen. Jetzt nahm ich ihn zur Seite und bestand darauf, daß er mir die genaue Herkunft des Giftfläschchens berichten sollte.

Da hörte ich endlich nach vielem unverständlichem Geknurre: wohl habe er die Flasche „gefunden“; aber das war schon ungefähr dreißig Jahre her. Er fand sie in der Kapitänskabine eines Dampfers, den er sich gekauft hatte, und der ihm dann gestrandet war. In einem Geheimfach des Schiffsbücherschrankes stand dies Fläschchen in Papier eingewickelt, und der Alte behauptete, er habe bis heute keinen Tropfen daraus vergossen. Ich glaubte es ihm.

Wir hockten einander gegenüber auf zwei Steinen im Heidekraut. In der Nähe bei uns rannte eine schwarze angepflockte Ziege, schwarz wie des Teufels Großmutter, meckernd hin und her. Und obwohl es schon gegen Abend war, wo sich die Kühle des Meeres mit der Granitwärme der Steine vermengt, wischte sich der alte Kapitän, während er mir erzählte, doch fortgesetzt die blaurote Stirn ab, auf welcher ihm ein steter Angstschweiß zu perlen schien.

Empfohlene Zitierweise:
Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/26&oldid=- (Version vom 31.7.2018)