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dabei den Kopf verliere. Denn sehen Sie, einen leichten Schlaganfall habe ich schon einmal gehabt. Den erhielt ich infolge eines Schreckens, als ich Mann, Kind und Vermögen in einem Augenblick verlor.“

Und dann erzählte die russische Dame mir ihr Leben. Sie stammte von deutschen Eltern, war aber in Rußland geboren und hatte einen Russen geheiratet. Ihr Mann war Leutnant, als sie Hochzeit machten. Aber sie waren nur wenige Wochen vermählt gewesen, da brach der Krimkrieg aus, und die junge Frau wußte, daß ihr Mann fort von ihrer Seite in den Krieg und vielleicht in den Tod ziehen mußte.

Sie machte sich auf, besuchte seinen General und bat ihn, daß sie als Krankenschwester dem Regiment ihres Mannes folgen dürfte. Das wurde ihr gewährt.

Ihren Mann, der in den Schlachten war, sah sie natürlich nur selten, und wenn sie mit den anderen Rotekreuzschwestern nach den Kämpfen die Verwundeten in den Feldern aufsuchte, dann zitterte ihr Herz jedesmal, wenn sie einem am Boden Liegenden den Kopf umwendete und das Gesicht zu sehen suchte, denn sie vermeinte immer, ihren Mann zu finden.

Empfohlene Zitierweise:
Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 313. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/314&oldid=3248568 (Version vom 31.7.2018)