Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/334

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Finsternis besser singen sollten. Die armen Tiere waren also doppelt gefangen, doppelt geängstigt, und ihre Klagen wurden doppelt schmelzend, doppelt sehnsüchtig.

„Das haben Sie getan?“ fragte Ulrike unbefangen, aber zugleich blieb sie wie erstarrt vor einer blinden Nachtigall stehen. Sie konnte es noch gar nicht begreifen, daß es schändliche Wirklichkeit war, was sie sah. Und der Drogist grinste. Aber er hatte eine seltsame Art, über die Köpfe der Menschen fortzusprechen. Was er nicht hören wollte, übersprach er. Nur sein Blut, das ihm leicht zu Kopf stieg, zeigte, daß er gehört hatte.

Auch mir grauste es jetzt vor diesem Garten, der da am See hinter hohen Mauern eingeschlossen wie eine große Mördergrube lag. Von außen hätte man der harmlosen Mauer nicht ansehen können, daß dahinter die freiesten Geschöpfe der Erde, die kleinen, dem Menschenherzen so wohlgefälligen Nachtigallen und andere Singvögel, lebenslängliche Folterqualen und Tausende von ihnen einen gräßlichen Tod erleiden mußten.

Also dieses war das Grauen, dachte ich, als ich mit Ulrike den Garten verlassen hatte, das ich durch die Mauern gefühlt habe, als ich

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Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 333. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/334&oldid=3248590 (Version vom 31.7.2018)