Seite:De Orchideen Meyrink.djvu/097

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Hony soit qui mal y pense.

„Du, Fredy, was bedeutet den eigentlich die rote, riesige ‚29‘ dort drüben über dem Podium?“

„Na, weißt du, Gibson, du stellst manchmal Fragen!? – Was die ‚29‘ bedeutet! – Weshalb sind wir denn hier? – weil Sylvester ist – Sylvester 1929!“ –

Die Herren lachten alle über Gibsons Zerstreutheit.

Graf Oskar Gulbransson, der unten im Saale stand, blickte zur Brüstung empor, und als er die fröhlichen Gesichter mit den modischen, lang herab hängenden Schnurrbartspitzen à la chinois über dem verschnörkelten Geländer sah, mußte er unwillkürlich mitlachen und rief hinauf: „Jemand einen Witz gemacht, eh? – Messieurs, wenn Sie wüßten, wie furchtbar lustig Sie mit Ihren mongolisch glattrasierten Schädeln da oben auf dem goldenen Balkon aussehen! – Wie Vollbluttataren. – Warten Sie, ich komme auch hinauf, ich muß nur meine Dame auf ihren Sitz führen. – Es fängt nämlich gleich an –: – die Komtesse Jeiteles wird ein Lied von Knut Sperling singen und der Komponist sie selber auf der Harfe begleiten, kurz: – [er legte die Hände wie Schalldämpfer an die Wangen] – es wird schau–der–haft!“

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Gustav Meyrink: Orchideen. München o. J., Seite. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Orchideen_Meyrink.djvu/097&oldid=- (Version vom 31.7.2018)