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noch einen Augenblick hier stehen blieben, ehe sie zur Ruhe gingen, und aneinander geschmiegt zurückblickten auf die tausend kleinen Feuer der Leuchtkäfer, die draußen im Gebüsch des nächtlichen Gartens blinkten.

Und die Diele der Veranda knarrte laut, als erinnere auch sie sich an all das!

Glastüren führten in die einzelnen Räume. Durch verstaubte, von Spinngeweben überzogene Scheiben schaute die einsame Frau in die Zimmer, die sie einst bewohnt, zaghaft, als läge da drinnen etwas, das nicht geweckt werden dürfe. Doch da war ja nur trostlose Leere, Verfall und Verlassenheit überall. Ihren sich erinnernden Augen aber verhüllten süße Bilder der Wirklichkeit Öde, und sie sah vieles, das längst entschwunden.

Weiterschreitend beschrieb sie unwillkürlich im Gehen Bogen, als wiche sie Möbeln aus, die doch nicht mehr vorhanden; schob mit der Hand unsichtbare Vorhänge beiseite, verweilte vor einer leeren Wand, als erblicke sie noch an ihr das aufgehängte Fell des Tigers, den er einst geschossen. Überall haftete für sie noch etwas von den Dingen, die damals gewesen; blühender Zweige erinnerte sie sich, die sie aus dem Walde mitgebracht und in hohen Vasen zu Sträußen geordnet hatte, und

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Elisabeth von Heyking: Weberin Schuld. G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1921, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Weberin_Schuld_Heyking_Elisabeth_von.djvu/017&oldid=- (Version vom 31.7.2018)