Seite:De Weberin Schuld Heyking Elisabeth von.djvu/074

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Heiligenbildern kniete, gelang es ihnen, unbemerkt mit Paquito und seinem Kistenwägelchen in die Straße zu kommen.

Da war es schon dunkel, und noch gewaltiger als bei Tage schien jetzt das Menschengewühl in der Nacht. Wie Wogen, die aus den unerschöpflichen Tiefen eines großen dunklen Meeres aufsteigen, so fluteten all die Leute vorbei, alle in derselben Richtung vorwärts drängend; die stieren indianischen Gesichter von fieberhafter Erwartung erfüllt, die sonstige Indolenz verwandelt zu gieriger Hast; in den Zügen aller die Sucht nach dem Schauspiel, die in den Seelen der Völker schlummert. Ein fremder Geist schien in sie gefahren; vielleicht aber war es gerade der ureigenste Geist ihrer Rasse, der sich da offenbarte und aus ihren blitzenden Augen, wilden Gebärden und mordgierigen Schreien redete. Dunkle Erinnerungen an uralte Vergangenheit mochten, ihnen selbst unbewußt, erwacht sein, Erinnerungen an die Zeiten, da auf diesem selben Platz Tausende zum großen Teocalli zogen, um die zuckenden Menschenopfer auf dem Schlachtaltar zu sehen. Atome, die damals Gehirn und Nerven der Vorfahren gebildet, hatten sich im ewigen Kreislauf der Dinge vielleicht wieder zusammengefunden, um Gehirn und Nerven dieser späten Nachkommen zu formen; – ein schwächeres Geschlecht, das

Empfohlene Zitierweise:
Elisabeth von Heyking: Weberin Schuld. G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1921, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Weberin_Schuld_Heyking_Elisabeth_von.djvu/074&oldid=- (Version vom 31.7.2018)