Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/054

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Scheidung Heinrichs VIII. von seiner ersten Gemalin sanktioniren wollte, war ein solcher Tugendheld. Das finde ich sehr respektabel! .… aber zu leiden, weil man sein ganzes Leben mit den Händen im Schooß gesessen hat –

theuerster Freund, das kommt mir mönchisch vor! mit dem ungeheuern Unterschied daß dem armen Teufel von Mönch in dem Kerker der Klausur, der Disciplin und der drei Gelübde nichts Andres zu thun übrig bleibt. Der Mensch ist da um zu einer Befriedigung zu gelangen. Ja, ich halte dafür, daß befriedigt sein Eins ist mit weise sein.“

„Sobald Sie die materiellen Ingredienzien von Wolbehagen, Wolbefinden, Wolleben, Wolgefallen, streng ausscheiden aus der Ambrosia der Befriedigung, so bin ich bereit dieselbe als das Resultat der höchsten Weisheit zu verehren.“

„Puritaner!“ warf Eustach hin.

„Es ist unmöglich sich z. B. einen Plato, einen St. Vincenz da Paula, einen Franklin, als moderne Unbefriedigte vorzustellen, fuhr Gotthard fort. Aber eben darin liegt auch die Erklärung, warum es heutzutag so viel Unbefriedigte giebt: weil man unter Befriedigung nicht die Weihe versteht, welche tiefe Erkenntniß, starker Wille, ein hohes Ziel und ein großes Herz zu gleichmäßiger Entfaltung ausgebildet, dem Menschen giebt, sonder weil man sie

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/054&oldid=3262018 (Version vom 31.7.2018)