Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/058

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ihn, denn sei sie schön wie Venus, klug wie Minerva, reich wie Rothschild – wenn sie keinen Mann hat und eine alte Jungfer wird, so gilt sie dennoch nichts. Dem Haupt der Familie gebühren andre Rücksichten, eine andre Handlungsweise, ein höheres Selbstvertrauen, ein ganz, aber ganz anderer Maßstab! sehen Sie, aus diesem Bewußtsein entspringt das, was wir Egoismus nennen, lieber Fürst, und nun wagen Sie zu behaupten, daß

er nicht mit unserm edelsten Bewußtsein zusammenhinge.“

„Ich behaupte nur, daß er aus dessen Mißbrauch entspringt!“ rief Gotthard.

So diskutirten sie tagelang mit einander, bequem auf breite Diwans gelagert, und aus der Lethargie der passionirten Tabackraucher auffahrend um auf die Jagd zu gehen, oder Billard zu spielen, oder spazieren zu reiten. Gotthards Gesellschaft war höchst angenehm für Eustach. Er hatte sich gewöhnt Cornelie immer zur Seite zu haben, um für jeden Gedanken eine Antwort, für jeden Laut ein Echo zu finden. Eine Zeitlang hatte Madame Orzelska diese Stelle eingenommen; nun war diese fort, Cornelie unfähig zu beständigem Beisammensein; Eustach langweilte sich, und Gotthard kam ihm grade erwünscht. Darum schien dieser auch wirklich ein permanenter Bewohner von Altdorf werden zu wollen,

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 57. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/058&oldid=3262022 (Version vom 31.7.2018)