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er sie verletzte. Gewaltsam führte er Szenen herbei in denen er durch Corneliens Ruhe sich bis zu rasender Wildheit steigerte. Zuweilen drohte er ihr den Sohn zu nehmen.

„Wer kann ihn pflegen so wie ich? entgegnete Cornelie. Bedenke: Tristan ist ein schwaches Kind und Dein einziges Kind! Wenn er stirbt .… woher willst Du einen Sohn nehmen?“

Einmal drohte er eine maitresse en titre in sein Haus zu führen. Cornelie sagte eiskalt:

„Eustach! Du bist erbärmlich.“

Dergleichen furchtbare häusliche Dramen spielen sich häufig zwischen vier Wänden, und ihr gewöhnlicher Schluß ist der, daß beide Theile in diesen harten schneidenden Reibungen dermaßen den Duft und die Feinheit des Gefühls verlieren, daß sich Haß und Leid allendlich zu jener Gleichgültigkeit abstumpfen, die das traurigste ist was einem intimen Verhältniß begegnen kann. Denn die Intimität ist ohnehin für die Masse der Menschen mehr eine Auffoderung um sich gehen zu lassen als um sich auszubilden; tritt vollends die Gleichgültigkeit hinzu, so ist der Rückschritt fast gewiß.

Hier kam es aber nicht zu dem gewöhnlichen Schluß Cornelie sagte eines Tages zu Eustach:

„Ich ertrage diesen Zustand nicht länger! Du

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 97. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/098&oldid=3262062 (Version vom 31.7.2018)