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verknöcherten Organisationen wird dem Herzen weh und wund.“

Leonor versuchte den Reichthum in Schutz zu nehmen durch die hergebrachten Gemeinplätze, was für Vortrefliches, Menschenfreundliches etc. durch ihn gestiftet werden könne, welche Genüsse man sich und Andern bereite, welch einer Verfeinerung, auch in geistiger Beziehung, das Leben durch ihn befähigt werde, welch ein Protektor der Kunst, der Industrie er sei, wie er den Umschwung der Civilisation und den Gang der Kultur befördere.

„Umsonst ist nichts auf der Welt, und auch Verderbliches bringt irgend einen Vortheil, entgegnete Cornelie. Sie müssen gestehen, daß all diese Herrlichkeiten, welche Sie dem Reichthum beimessen, nur ausnahmsweise bewußte Wirkungen der Einzelnen sind. Die Reichen im Allgemeinen leben wie auf Gamachos Hochzeit, und lassen Kunst, Industrie, Wissenschaft ihre eignen Wege gehen. Ich bin ja selbst reich gewesen; ich weiß ja aus Erfahrung, daß der Reichthum eine unerhörte Menge von fakticen Bedürfnissen erzeugt in denen er sich zersplittert, so daß von der grandiosen Verwendung, die Sie im Auge haben und mir vielleicht einen Lorenzo di Medici nennen mögen, höchstens alle hundert Jahr einmal bei einem Individuum die Rede ist.

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/167&oldid=3262131 (Version vom 31.7.2018)