Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/218

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ich an ihre Liebe weil die meine so übermächtig war! Und sie konnte mich fortschicken! – Wer weiß! vielleicht wäre ich auch ohnehin gegangen, hätte sie verlassen, ja! verlassen! Dorotheens Vorstellungen und mein eignes Nachdenken würden mich gewiß auf Berücksichtigung meines Wols, meiner Zukunft, meiner Aussichten hingeführt haben, wäre dieser Ausbruch nicht so plötzlich erfolgt. Vielleicht nur zwei oder drei Tage ruhiger Ueberlegung – und die Rollen wurden vertauscht, und ich verließ sie. Es ist unzweifelhaft: das wäre geschehen. – Diese Ueberzeugung beruhigte ihn ganz unsäglich. Sein Selbstgefühl war gerettet und seine Eitelkeit hatte sich einen Schild gegen den giftigen Pfeil: du bist verschmäht! – erfunden. Ich will ihr den kleinen Triumph gönnen, so schloß er seine Monologe, die erste Hand an unsern Bruch gelegt zu haben: sie ist Weib, d. h. empfindlich, eitel und leicht gekränkt! .… aber, weil denn doch der Bruch von ihr zuerst ausgegangen ist, so bin ich frei und ihr keine Rücksicht schuldig.

Der Vormund von Fräulein Fanny Ahrheim – so hieß Leonors Cousine – lebte in Breslau und benachrichtigte ihn, daß das junge Mädchen seit zwei Jahren der Stolz und die Freude einer Berliner Erziehungsanstalt ersten Ranges, aber in jeder

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 217. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/218&oldid=3262182 (Version vom 31.7.2018)