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nur möglichen Hindernisse in den Weg, so daß das Unternehmen nicht recht in Fluß kam. Erst nach einem Jahr gelang es dem Vertreter der Gesellschaft, von dem Sultan das Recht des Abbaus einer weit im Innere des Küstengebirges gelegenen Kupferader zu erwerben. Bis dahin hatte mein Vater in Maskat eigentlich nur den Bureauschreiber für die neue Zweigniederlassung der Gesellschaft gespielt, was ihm bei seinem unruhigen Geiste und seinem ungezügelten Tatendrang wenig behagte. Er atmete ordentlich auf, als er nun mit Sack und Pack, Kind und Kegel sich der Expedition ins Innere anschließen konnte.

Außer meiner Mutter, einer kräftigen Frau, die sich sehr leicht in jede Lebenslage hineinfand, machte nur noch die Gattin des leitenden Ingenieurs Faber die Reise mit. Die Expedition war vorzüglich ausgerüstet! Auf Lastkamelen wurden auseinandergenommene Maschine, reichlich Proviant und anderes mehr mitgeführt. Für die Frauen und mich war ein sogenannter Tachtirwan da, ein zeltartiger Tragsattel, der auf dem Rücken des stärksten Kameles befestigt wurde.

Bereits unterwegs merkten wir, daß die Engländer überall dort, wo wir bewohnte Landstriche passierten, die eingeborene Bevölkerung gegen uns aufgehetzt hatten. Die Bewohner jener Gegenden waren hauptsächlich halbwilde, seßhaft gewordene Beduinen vom Stamme der Rafri, die sich durch Tapferkeit, Ehrgefühl und Rachsucht auszeichnen, aber auch den Wert des Geldes schon so weit schätzen gelernt haben, daß sie für einen einzigen Mariatheresientaler oft einen Mord begehen, wenn ihnen nebenbei nur noch vorgeredet wird, der bei seite zu Schaffende habe einem ihrer Stammesgenossen etwas Böses angetan. – Ich muß hier einflechten, daß die Mariatheresientaler in Oman sehr gern in Zahlung genommen werden, obwohl das Sultanat eigene Kupfermünzen hat.

Jedenfalls erlebten wir auf der Reise nach unserem Bestimmungsorte bereits allerlei Abenteuer, die recht unangenehm hätten auslaufen können, wenn nicht gerade

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der Gespensterlöwe. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Gespensterl%C3%B6we.pdf/5&oldid=- (Version vom 31.7.2018)