Seite:Der versteinerte Wald.pdf/30

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nicht zum erstenmal …! Dort war, wohl nur für seine scharfen Augen sichtbar, der Lauf einer Büchse, ohne daß der Schütze zu sehen war, gerade auf Shlook gerichtet …

Und dann geschah das, was nur Ibrahim hatte vorausahnen können …

Der Knall eines Schusses, in mehrfachem Echo zurückgeworfen, ließ aller Köpfe herumfahren. Nicht des Engländers Revolver war losgegangen, – nein, – Shlook ließ vielmehr die Waffe fallen und warf sich gleichzeitig lang zu Boden, indem er förmlich kreischend vor Schmerz und vor bis zum Übermaß gesteigerter Wut rief:

„Man hat auf mich geschossen … mein Handgelenk … mein Handgelenk …! Es kann nur der dreimal verd… Junge gewesen sein, der Loring …! Auf, – greift ihn – vorwärts – vorwärts!“

Doch Paul Loring hatte sich längst wieder in Sicherheit gebracht. Alles Suchen war umsonst. Er blieb verschwunden. –

Als Ibrahim gemerkt hatte, daß der deutsche Knabe mit seiner Kugel nur halbe Arbeit getan, murmelte er enttäuscht vor sich hin: „Schade – ich wäre den weißen Hund so gern auf diese Art für immer losgeworden!“

Jetzt saß er neben Shlook am Rande des Teiches und half ihm die böse Wunde kühlen. Die Kugel war gerade durch das rechte Handgelenk gegangen. Daß dieses für immer steif bleiben und den Briten halb zum Krüppel machen würde, unterlag keinem Zweifel.

Merkwürdig genug war es, daß der Engländer durch diese Verletzung innerlich jetzt sehr verwandelt schien. Er kümmerte sich um die Gefangenen kaum mehr, saß insichgekehrt da und hatte wohl noch immer damit zu tun, den furchtbaren Schreck zu überwinden, der ihm in die Glieder fuhr, als gleichsam eine höhere Einmischung einen feigen Mord verhinderte. – –

Der Tag ging zur Rüste. Am nächsten Morgen wollten die Beduinen weiter nach Westen ziehen, wo ihre Kundschafter ein paar fette Weideplätze, die infolge starker Gewitterregen schnell entstanden waren, festgestellt hatten.

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der versteinerte Wald. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_versteinerte_Wald.pdf/30&oldid=- (Version vom 31.7.2018)