Seite:Der weiße Maulwurf.pdf/46

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einen förmlichen Ruck … Da war eine saubere Kneipe, darüber ein großes Wirtshausschild:

Zum weißen Maulwurf.

Harald fuhr vorüber, bog wieder in eine Seitenstraße ein und hielt vor einer Tankstelle an, übergab den Wagen dem Angestellten zur Beaufsichtigung und führte mich denselben Weg zurück. Bevor wir den „Weißen Maulwurf“ betraten, erklärte er nur: „Wir sind Ausländer … Wir wollen lediglich zivilisierte Zigeuner kennen lernen.“

Die Kneipe machte auch innen einen sehr sauberen Eindruck. Ein paar Tische waren mit schwarzhaarigen Herrschaften besetzt, der Wirt, dick und würdig, musterte uns sehr argwöhnisch, taute aber sofort auf, als wir die Engländer spielten und Harald eine Pfundnote auf den Tisch legte … „Bier – – für alle Gentlemen …“, radebreche er und deutete auf die anderen Gäste.

Jedenfalls nahm der Wirt nachher bei uns Platz und ließ sich geduldig aushorchen … So erfuhren wir, daß er hier nur Verwalter sei, das Haus und die Kneipe gehörten einer ungarischen sehr feinen alten Dame, die seit Jahren an der See gelebt habe … hier in Deutschland, an der Ostsee.

Harald tat interessiert … „Die Dame ist also tot, verstorben … Sie sagten doch, sie lebe nicht mehr …“

Das hatte der Mann nun keineswegs behauptet oder auch nur angedeutet. Immerhin konnte ein Engländer ihn falsch verstanden haben. Er wurde sehr verlegen, nickte dann übereifrig …

„Ja – sie ist tot, – unlängst verstorben, Herr …“

Es handelte sich hier zweifellos um Fräulein Vilja Födösy, die schon in dem großen Prozeß in Klausenburg die drei angeklagten Zigeuner durch ihre bestimmte Aussage gerettet hatte.

Ich verfolgte die Weiterentwicklung des Gesprächs nun mit größter Spannung.

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Der weiße Maulwurf. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1932, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_wei%C3%9Fe_Maulwurf.pdf/46&oldid=- (Version vom 31.7.2018)