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wenn auch die Entwicklung dieser Zweige des Bauwesens keineswegs stillgestanden hat.

Baggerungen.

Die Vervollkommnung der Baggergeräte, die der Maschinenbau in immer größeren Einheiten und mit ständig gesteigerter Wirtschaftlichkeit des Betriebes lieferte, haben zu einer noch ausgedehnteren Verwendung von Baggerungen im Fluß- und Seebau geführt, wie sie früher üblich war. Namentlich bei der großen Aufgabe der Unterweserkorrektion, deren Durchführung nach den Plänen von Franzius von der Bremer Bürgerschaft am 29. Juli 1887 beschlossen wurde, und bei der Erbauung des Kaiser-Wilhelm-Kanals, dessen Erbauung in die Jahre 1887–1895 fällt, kamen Baggerungen in einem seither in Deutschland nicht bekannten Umfang zur Ausführung. Im Flußbau gab der endgültige Ausbau der Strombetten, namentlich aber die Ausbildung der Niederwasserrinnen und die Notwendigkeit eines besseren Schutzes der Ufergelände gegen Hochwasser Anregung zu einem genauen Studium der Vorgänge beim Wasserabfluß.

Hydrographische Ämter.

In allen größeren Strömen und in vielen Gebirgsflüssen wurden sorgfältige Beobachtungen über die Menge und Verteilung des Wasserabflusses angestellt. Es wurden hydrographische Ämter geschaffen, die alle auf den Wasserabfluß bezügliche Daten sammelten und in übersichtlicher Weise verarbeiteten. Ganz Deutschland ist heute mit einem weitverzweigten Netz von meteorologischen Stationen überzogen. Das Pegelwesen ist geregelt und jede Anschwellung eines Flusses läßt sich, da auch genaue Längenaufnahmen der größeren Ströme vorliegen, bis zum Meer hinunter zuverlässig verfolgen. Die Gestalt des Flußbettes ist teils durch einzelne Querschnitte, teils durch Flächenvermessung der ganzen Sohle festgelegt worden.

Durch genaue Wassermessungen sind für zahlreiche Flußquerschnitte die den einzelnen Pegelständen entsprechenden Wassermengen bestimmt worden, so daß aus den Pegelablesungen die zugehörigen Wassermengen ermittelt werden können. Auch die Eisverhältnisse der Ströme wurden genau beobachtet, um daraus ein Bild über die Eisbedeckung der Flüsse, über die Bildung der Eisdecke und die Entstehung und den Aufbruch von Eisversetzungen zu erhalten. Ein Hochwasser-Nachrichtendienst ist eingerichtet worden, und die Hochwasservoraussage wurde eingeführt.[1] Über die meisten Stromgebiete sind eingehende hydrographisch-wasserwirtschaftliche Darstellungen veröffentlicht worden, und zwar für den Rhein durch das badische Zentralbureau für Meteorologie und Hydrographie, für die Elbe von der Elbstrombauverwaltung, für die anderen preußischen Ströme von dem durch Allerhöchsten Erlaß vom 23. Februar 1892 zur Untersuchung der Wasserverhältnisse in den der Überschwemmungsgefahr besonders ausgesetzten Flußgebieten eingesetzten Bureau des Wasserausschusses.


  1. Hydrographische Arbeiten in Preußen und Norddeutschland von H. Keller. Mitteilungen des IX. internationalen Schiffahrtskongresses in Düsseldorf 1902.
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Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1502. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/373&oldid=- (Version vom 9.6.2021)