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So besprachen sich die Abbassiden.
Als zu graun begann der nächste Morgen,
Nahmen Beide vom Kalifen Abschied,

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Unterm Vorwand eines großen Jagens:

Doch sie ließen diesen Brief zurück ihm:
Harun Alraschid, Kalif in Bagdad!
Wenn du nicht zu sonst gewohnter Stunde
Assur wiederkehren siehst und Assad,

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Traure nicht, denn dir zum Troste flohn sie,

Deine Söhne suchen deinen Sohn auf!

Bald entfernten sich vom Jagdgefolge,
Beide Brüder durch der Wälder Dickicht,
Ueber Berg und über Haide schweifend,

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Forschend überall und kurze Rast nur

Unter’m Dache bärtiger Hirten findend.
Eines Tags, an eines Stromes Ufer,
Der dem Hochgebirg entbrauste, trafen
Einen Fischerknaben beide Brüder.

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Dieser Knabe, den sie fragten, sagte:

Gestern sah ich durch die Luft ein Wesen,
Großgeflügelt, doch unkenntlich, schweben;
Für den Vogel Rock, o Freunde, hielt ich’s;
Der aus jenen sandigen Wüsten seinen

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Raub entführt, Elephanten selbst hinwegträgt

Ueber Berg und Meer zu felsigen Inseln,
Wo er brütet seine Rieseneier!
Doch es war vielleicht der fliegende Rappe,
Welchem nachforscht eure Neubegierde.

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Also sprach der Knabe. Diesem falschen,

Diesem ungewissen Schein der Hoffnung
Folgte kühn das Brüderpaar, entschlossen,
Ueber’s Hochgebirg hinwegzusteigen,
Das vor ihnen wolkenhoch gethürmt schien.

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/12&oldid=- (Version vom 31.7.2018)