Seite:Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde.pdf/14

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Eine elektrische Erscheinung, die vielleicht hier die Stelle des Blitzes vertrat?

Nein, er hätte schwören mögen, daß diese Kugel von drei Metern Durchmesser aus irgend einem Material wie von Menschenhand hergestellt war und elektrisches Licht ausstrahlte! Wo sie rollte, hatte sich ein großer Polyp befunden, der jetzt verschwunden war. Richard wollte sich, als er seine erste Bestürzung überwunden hatte, dorthin begeben. Da stieß sein Fuß an einen dunklen Streifen, der sich, parallel mit einem anderen laufend, quer über seinen Weg zog. Er hatte die beiden Streifen schon vorhin bemerkt, sie aber für Bodenrisse gehalten. Jetzt bückte er sich, tastete mit der Hand nach ihnen und war außer sich vor Staunen – das waren ja Eisenbahnschienen! Die beiden bildeten zusammen ein Eisenbahngleis, und auf diesem hatte sich die feurige Kugel bewegt!

„Eine Eisenbahn auf dem Meeresgrunde, ein Wagen in Gestalt einer Kugel und getrieben durch Elektricität!“

So blitzte es durch seinen Kopf. Doch schnell verwarf er diesen Gedanken wieder als lächerlich. Wer sollte denn der Erbauer dieser Bahn sein; was für Wesen sollten sie denn benutzen? – Und doch, welch eine andere Möglichkeit konnte es geben?

Die Thatsache blieb bestehen, daß hier zwei Schienenstränge lagen, die allerdings etwas anders geformt waren, als gewöhnliche Eisenbahnschienen, und nach oben mehr spitz und keilförmig zuliefen. Nicht war es wegzuleugnen, daß zwischen diesen Schienen die elektrische Kugel gelaufen war, die den großen Polypen zu einer breiigen Masse zerquetscht hatte!

Richard leuchtete mit seiner Blendlaterne – das Ende der Schienenstränge war nicht abzusehen!

Wie er noch staunend über dieses Rätsel grübelte und zwischen den Schienen stand, war es ihm, als ob ihn von hinten ein Wellenschlag träfe. Gleichzeitig wurde es sehr hell. Jäh blickte er sich um – und sprang tödlich erschrocken zur Seite, oder wurde vielmehr von einer Kraft zur Seite geschleudert!

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/14&oldid=- (Version vom 31.7.2018)