Seite:Die Antenne im fünften Stock.pdf/6

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„Was geht Dich das an, Sigi! Wenn die Leute dort oben in der aufgestockten Wohnung Schwarzhörer sind, – mögen sie! Das muß jeder mit sich selbst abmachen. Eine Gemeinheit bleibt es stets, die Funkgesellschaft um die zwei Mark monatlich zu betrügen …“

Sigi setzte sich in die Sofaecke.

Ihr rundes frisches Gesicht war sehr nachdenklich.

„Das sind keine Schwarzhörer, Mama … Die Leute haben ein Auto, haben echte Kelims an den Fenstern. Die Dame trägt einen Pelz, der mindestens zweitausend Mark wert ist …“

„Der reine Steckbrief, Sigi!“ Und jetzt schaute die Exzellenz auf und warf ihrer Einzigen einen bitterbösen Blick zu …

„Schreibe lieber die Doktorarbeit zu Ende ab,“ fuhr sie wirklich ärgerlich fort. „Jeden Abend vertrödelst Du eine halbe Stunde damit, diese Leute zu beobachten. Ich begreife Dich nicht!“

„Die Abschrift ist fertig, Mama. Es ist wirklich schade, daß man mit Dir so gar nichts durchsprechen kann … – Verzeih – ich meine Dinge, die interessant sind …“

„Also eine Antenne!“ spöttelte Frau von Lauken – aber sie lächelte schon. „Du bist mit Deinen dreiundzwanzig Jahren noch immer …“

„… unverheiratet – – leider!“ ergänzte Sigi mit komischem Seufzer.

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Die Antenne im fünften Stock. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Antenne_im_f%C3%BCnften_Stock.pdf/6&oldid=- (Version vom 31.7.2018)