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„Hm – ich wollte sagen: ein rechter Kindskopf! Und das stimmt …!“

„So?! – Hör mal, Mutti, wenn also ein junges Mädchen Augen hat, die mehr sehen als nur Putz, Tand und die tägliche Misere, – dann soll sie ein Kindskopf sein?! Und wenn ein Mädchen wie ich sich über Dinge Gedanken macht, die offenbar das Tageslicht scheuen, dann – dann …“

Exzellenz warf belustigt hin: „Herrgott, Sigi, dann sprich Dir also Deine Vermutungen von der Seele … Seit Tagen quälst Du mich damit …“

Sieglinde hatte das Kinn in die schmale Hand gestützt. Die Fingerspitzen zeigten einige lila Stellen von dem Farbband der Schreibmaschine …

„Also, Mama: das sind niemals Schwarzhörer …“

„Was Du beweisen mußt …“

„Die Leute stecken die beiden dünnen Eisenstangen, zwischen denen ihre Dreidrahtantenne gespannt ist, immer erst gegen halb zwölf abends heraus. Die Antenne bleibt so eine Stunde etwa hängen … Dann wird sie wieder eingeholt, stets bei verdunkelten Fenstern …“

„Nun ja – mag sein … Sie werden eben englische Sender hören wollen …“

„Aber die Leute sind doch wohlhabend, Mama … Da könnten sie die Antenne ruhig auch über Tag an den Fenstern belassen und die zwei Mark bezahlen …“

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Die Antenne im fünften Stock. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Antenne_im_f%C3%BCnften_Stock.pdf/7&oldid=- (Version vom 31.7.2018)