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Kinde des Dichters fragen: „Warum verwundet man sie, wenn man sie nachher pflegt?“ Indem wir die Macht des Kapitals und der Bourgeoisie zu brechen suchen, arbeiten wir darauf hin, diesen Mördereien ein Ende zu machen; und wir würden lieber sehen, daß die Freiwilligen vom „Roten Kreuz“ ihre Tätigkeit darauf verwendeten, um mit uns den Krieg aus der Welt zu schaffen.

Doch wir mußten dieser gewaltigen Organisation Erwähnung tun, als Beweis für die fruchtbaren Resultate, die durch die freie Vereinbarung und ein freies Hülfsbedürfnis erzielt werden.

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Wenn wir die Beispiele vermehren wollten, und zwar, indem wir sie der Kunst, Menschen auszurotten, entnehmen, wir würden kein Ende finden.

Sogar Deutschland hielt es für nötig, neben seiner großen, wohlorganisierten Armee unzählige freiwillige Gesellschaften mit militärischen Zwecken ins Leben zu rufen, ich meine den Kriegerbund, die Schützenvereine, die Gesellschaften für militärische und strategische Spiele, für topographische Studien usw. Diese umfassen Militär- und Zivilpersonen, Geographen und Turner, Jäger und Techniker usw. usw. Sie Alle haben sich in spontaner Weise gebildet, organisiert und föderiert. Sie veranstalten Uebungen auf freiem Felde und tragen wohl gleichfalls zur Kriegstüchtigkeit des deutschen Heeres bei.

Ihr Ziel ist verdammenswert. Aber was uns an dieser Organisation der Hervorhebung wert scheint, das ist das Faktum, daß der Staat – trotz seiner „hohen“ Mission der militärischen Organisation – begriffen hat, daß die Entwicklung dieser Gesellschaften viel fruchtbarer ist, wenn sie der freien Vereinbarung der Gruppen und der freien Initiative der Individuen überlassen bleibt.

Also selbst bezüglich des Krieges wendet man sich heute an die freie Vereinbarung. So hat England eine Armee von 300 000 Freiwilligen und seine „Nationale Artillerieassoziation“. Noch in der Organisation befindlich ist jene Gesellschaft für die Verteidigung der englischen Küste. Sollte diese letztere sich einmal konstituiert haben, so wird sie sicherlich eine viel wirksamere Tätigkeit entfalten, als das Marineministerium mit seinen Panzern, die sich gegenseitig einrennen, und seinen Bajonetten, die sich wie Blei biegen.

Ueberall überlebt sich der Staat und überläßt er seine heiligsten Befugnisse privaten Individuen. Ueberall dringt die freie Vereinbarung in die „Staatsdomäne“. Doch alle diese Tatsachen, deren wir Erwähnung getan haben, gestatten nur einen schwachen Ausblick auf das, was uns die freie Vereinbarung in der Zukunft vorbehält, wenn es keinen Staat mehr geben wird.

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/125&oldid=- (Version vom 21.5.2018)